Bezirkegruene.at
Navigation:
am 19. Juni

Aktive Arbeitsmarktpolitik am Prüfstand?

Markus Hennerbichler - Durch die neue Regierung drohen Einsparungen in Bereichen der „aktiven Arbeitsmarktpolitik“ in der Höhe von 600 Millionen Euro.

Hobel

Was versteht man unter „aktiver Arbeitsmarktpolitik“?
Es handelt sich um sozialpolitische Maßnahmen, welche die Situation arbeitsloser Personen verbessern und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personengruppen davor bewahren, tatsächlich in die Arbeitslosigkeit abzurutschen.
Erste Projekte österreichweit starteten in den 80er Jahren unter der Initiative des damaligen Sozialministers Dallinger. Auch in Mauthausen, wo der Verein SAUM sein erstes Zuhause fand, werden seit mehr als 25 Jahren arbeitslose Personen betreut.

Im Gegensatz dazu kümmert sich die „passive Arbeitsmarktpolitik“ darum, Einkommensausfälle lediglich zu kompensieren.
Klassische Zielgruppen der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind benachteiligte Jugendliche, ältere Arbeitnehmer und Langzeitarbeitslose, die es in der Regel schwer haben, entweder einen Job zu finden, diesen im Alter zu erhalten oder nach längerer Abwesenheit vom Arbeitsmarkt wieder einen Job zu finden.

Die vorgenommenen Kürzungen werden mit der guten Wirtschaftslage in Österreich argumentiert. Wie sich zeigt, profitieren aber gerade ältere Arbeitslose und Langzeitarbeitslose nicht im gleichen Ausmaß von der guten Wirtschaftslage, wie andere Arbeitssuchende. Auch der zunehmende Druck am Arbeitsplatz lässt viele beim Wiedereinstieg ins Berufsleben nach längerer Jobsuche immer wieder scheitern.     

Aktuelle Kürzungen bei volljährigen Jugendlichen in überbetrieblichen Lehrausbildungen von 753 € auf 325 € monatlich erschwert die Situation dieser Personengruppe, die sich dadurch keine Ausbildung mehr leisten kann. Eine Aufzahlung auf die Mindestsicherung kommt bei den meisten Jugendlichen dieser Altersgruppe nicht in Frage.

Diese Kürzungen werden auch damit begründet, einen Anreiz für arbeitslose Jugendliche zu schaffen, um in den ersten Arbeitsmarkt einzuchecken und es sich nicht in der sozialen Hängematte gemütlich zu machen.

Bewusst verschwiegen wird gerne, dass es sich bei den betroffenen Jugendlichen um Personen handelt, welche trotz großer Bemühungen in der Vergangenheit nie eine Chance auf einen Lehrplatz erhalten hatten, oder es sich um Personen handelt, welche am ersten Arbeitsmarkt bereits gescheitert sind und in den überbetrieblichen Lehrausbildungen hoffen, eine zweite Chance zu erhalten.

Der Vorwurf, Projekte der aktiven Arbeitsmarktpolitik seien zu kostenintensiv und wenig wirksam, werden durch Studien stets widerlegt. Es ist langfristig kostensparender, rechtzeitig in diese Menschen zu investieren, als sie  dauerhaft in der Arbeitslosigkeit zu belassen.​

Jetzt spenden!