Bezirkegruene.at
Navigation:
am 1. September

Wenn die einen von Integration sprechen und die anderen es einfach tun…

Dagmar Engl - In Katsdorf bieten Maria und Rudi Nesser ein Sprachcafé an. Ein Übungsraum, Zusammentreffen, eine Austauschmöglichkeit für Neu-KatsdorferInnen, Neu-RiederInnen, ehrenamtlichen DeutschlehrerInnen. In der letzten Augustwoche fand wieder eines statt, bei traumhaftem Wetter im traumhaft schönen Garten der Familie Nesser und wir hatten Besuch von unserer Landtagsabgeordneten Uli Böker.

Sprachcafe Katsdorf 1

​Wenn Freude, Essen, aber auch Sorgen geteilt werden, dann kann man das gelebte Integration nennen. Sorgen sind da viele. Sorgen um die Zukunft der Familie, Sorgen um eine drohende Abschiebung, endloses Verharren in der Warteschleife der Behörden.

Integration – ein vielstrapaziertes Wort. Aber was bedeutet gelungene Integration und schützt diese vor Inhumanität?

Österreich im Jahr 2017 – zwei Jahre nach dem Herbst 2015, der das Leben für viele Österreicherinnen und Österreicher geändert hat. Weil sie damals ganz spontan und unermüdlich geholfen haben und das zwei Jahre später immer noch irgendwo und irgendwie tun.

Alles gut? Leider nein. Noch in sehr vielen Bereichen leistet die Zivilbevölkerung Großartiges, übernimmt ehrenamtlich jene Aufgaben, die eigentlich der Staat übernehmen sollte oder einfach durch eine verantwortungsvolle Politik vermeiden könnte.

Kanzlerkandidat Kurz hat in einem TV-Auftritt vor kurzem in aller Öffentlichkeit gesagt, dass viele jener Menschen, die damals mit angepackt haben, das nicht getan haben, um einer möglichst großen Anzahl an Menschen zu helfen, sondern „um ihr eigenes Gewissen“ zu beruhigen. Diese Aussage ist derart skandalös, dass sie mir die Erwähnung wert ist. Ein Schlag ins Gesicht dieser unermüdlich kämpfenden Menschen, die nur eines möchten: ein Stück Menschlichkeit weitergeben, ein Stück Hoffnung geben, kurzum ein menschenwürdiges Leben ermöglichen wollen.

In den letzten Wochen kam es zu Massenabschiebungen. Familien wurden auseinandergerissen, aus ihrem Umfeld geholt, aus ihrem Leben gerissen und in eine ungewisse Zukunft geschickt. Das waren Familien, die nicht kurz oder seit 2015 hier sind. Da sind Familien dabei, die fünf, sechs oder mehr Jahre bestens integriert hier leben.

Da ist wieder das Wort INTEGRATION. Was zählt sie, wenn wir genau jene, die hier zur Schule gehen, die Arbeitszusagen haben, die Teil unserer Gesellschaft sind, von einer Stunde auf die andere wegschicken?

Und vor allem: Was macht das mit uns? Was macht das mit den vielen ehrenamtlichen HelferInnen? Ich sehe da eine große psychische Belastung, die auch für unsere Volkswirtschaft nicht ohne Folgen bleiben wird. Denn letztendlich ist es nicht nur eine ehrenamtliche Hilfeleistung, es entstehen persönliche Bindungen, Freundschaften, ja manchmal fast „familiäre Beziehungen“, insbesondere zu Kindern.

Wenn diese nach Jahren ausgewiesen werden, dann richtet das auch hierzulande einen sehr großen Schaden an. Traumatisierte auf der einen, emotional Erschöpfte auf der anderen Seite.

Das sollten sich die verantwortlichen Ministerien auch einmal vor Augen halten. Und Kanzlerkandidaten umso mehr, auch wenn sie sich im Wahlkampf befinden.​

Jetzt spenden!